Der Abschlussbericht sowie der Kurzbericht der vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) geförderte Studie "PraWiDem – Vernetzung von Pflegepraxis und Wissenschaft durch den Living‑Lab‑Demenz‑Ansatz" (Projektzeitraum 1. September 2021 bis 31. August. 2024) liegt vor und zeigt, wie der Transfer von der Wissenschaft in die Praxis gelingen kann. Ziel des Projekts war es, den niederländischen Living‑Lab‑Ansatz an die deutsche Langzeitpflege anzupassen, gemeinsam mit vier Praxiseinrichtungen zu erproben und mithilfe einer strukturierten Prozessevaluation Empfehlungen für die Zusammenarbeit abzuleiten. Die Studie ist Teil der Maßnahme 4.1.2 Ausbau eines nationalen Netzwerks zur Demenzversorgungsforschung und wurde kürzlich mit der Theodor-Fliedner-Medaille für innovative Pflegepraxis ausgezeichnet.
In der ersten Projektphase wurden mittels qualitativer Interviews und internationaler Literaturrecherche zentrale Anforderungen für Wissenschafts‑Praxis‑Partnerschaften ermittelt. Parallel arbeitete das Team eng mit dem Living‑Lab Maastricht zusammen und gliederte die Intervention in definierte Komponenten. In der zweiten Phase wurde das "Living Lab Demenz" an vier Standorten umgesetzt: Die Universitäten Halle‑Wittenberg und Köln kooperierten mit Pflegeeinrichtungen in Sachsen (Diakonissenhaus ZION Aue), Sachsen-Anhalt (Paul-Riebeck-Stiftung Halle (Saale)) sowie Nordrhein-Westfalen (Städtische Seniorenheime Krefeld). Tandems aus "Linking Pins" – Verbindungspersonen aus Wissenschaft und Praxis – entwickelten dort praxisnahe Forschungsprojekte und wurden von Teams verschiedener Berufsgruppen unterstützt. Ergänzend etablierte die Deutsche Alzheimer Gesellschaft eine Arbeitsgruppe "Demenz und Forschung", in der Menschen mit Demenz die Projekte beratend begleiteten. Die dritte Phase bestand aus einer Mixed‑Methods‑Prozessevaluation, die von einem multidisziplinären Expert*innenteam begleitet wurde.
Als Ergebnis entstand eine Programmtheorie der komplexen Intervention Living Lab Demenz mit einem logischen Modell. Die Evaluation lieferte Empfehlungen für die weitere Zusammenarbeit und zeigte, dass alle beteiligten Praxiseinrichtungen und Universitäten die Living‑Lab‑Kooperation über das Projektende hinaus fortführen wollen. Das Living‑Lab bleibt für weitere interessierte Einrichtungen offen, und die Arbeitsgruppe "Demenz und Forschung" wird dauerhaft weitergeführt.
PraWiDem konnte so einen wichtigen Beitrag zur interdisziplinären Zusammenarbeit von Menschen mit Demenz, Angehörigen, Pflegenden und Wissenschaftler*innen leisten. Im Rahmen des Projekts "Vernetzung von Pflegepraxis und Wissenschaft in der Langzeitpflege durch den Living Lab Ansatz – PraWiLab" haben die Städtischen Seniorenheime Krefeld und das Institut für Pflegewissenschaft der Universität zu Köln den Austausch zwischen Pflegepraxis und Wissenschaft institutionalisiert. Einerseits gelangen Erkenntnisse aus der Pflegeforschung so schneller in die pflegerische Praxis. Andererseits erhält die Forschung Anregungen durch konkrete Fragen und Probleme vor Ort.
