Neues zum Versorgungspfad – IGES veröffentlicht Zwischenbericht I zum Rapid Review

Zwei medizinische Fachkräfte in weißen Kitteln stehen im Krankenhausflur und sprechen miteinander; eine Person hält eine pinke Mappe.

Mit dem Zwischenbericht I legen das IGES Institut und der Arbeitsbereich Altersmedizin der Goethe-Universität Frankfurt a. M. zentrale Ergebnisse eines Rapid Reviews zur Versorgung von Menschen mit Alzheimer-Demenz vor. Der Bericht ist Teil des vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) geförderten Projekts zur Entwicklung eines sektorenübergreifenden, evidenzbasierten Versorgungspfades für Menschen mit Alzheimer-Demenz und ihre Angehörigen.

Ausgangspunkt des Projekts ist die Diskrepanz zwischen wachsendem Versorgungsbedarf und einer Versorgungspraxis, die durch verzögerte Diagnosestellungen, fragmentierte Strukturen und regionale Unterschiede geprägt ist. Der geplante Versorgungspfad soll hier ansetzen, indem er Akteursrollen klar beschreibt, Schnittstellen zwischen den Sektoren definiert und eine kontinuierliche, person-zentrierte Begleitung über alle Krankheitsstadien hinweg ermöglicht.

Der Rapid Review bildet dafür die wissenschaftliche Grundlage. Er umfasst deutsch- und englischsprachige Publikationen aus dem Zeitraum von 2018 bis Februar 2025. Nach einem mehrstufigen Selektionsprozess wurden 442 Studien in die Analyse eingeschlossen. Die Literatur deckt fünf zentrale Themenfelder ab: Ursachen und Risikofaktoren, Diagnoseverfahren und Früherkennung, Prävention, pharmakologische und nicht-pharmakologische Therapieansätze sowie psychosoziale, pflegerische und palliative Versorgungsangebote. Ein Schwerpunkt liegt auf aktueller Evidenz aus den Jahren 2023 und 2024, überwiegend aus OECD-Ländern.

Die Ergebnisse zeigen einmal mehr die Komplexität der Alzheimer-Demenz: Die Erkrankung entsteht durch das Zusammenspiel genetischer, vaskulärer, metabolischer, neuroinflammatorischer und lebensstilbezogener Faktoren. Der Krankheitsverlauf wird als kontinuierlicher Prozess beschrieben, der von präklinischen Stadien über leichte kognitive Beeinträchtigungen bis hin zur manifesten Demenz reicht. Eine frühe, multidimensionale Diagnostik, die klinische Einschätzungen mit neuropsychologischen Tests, bildgebenden Verfahren und (sofern verfügbar und indikationsgeleitet ergänzenden) Biomarkern kombiniert, wird deshalb als wichtig erachtet. Gleichzeitig machen die Autor*innen des Reviews Versorgungsdefizite sichtbar, insbesondere an den Schnittstellen zwischen medizinischer Versorgung, Pflege, psychosozialer Unterstützung und kommunaler Daseinsvorsorge. Die Navigation im komplexen Versorgungssystem stellt für viele Betroffene und Angehörige weiterhin eine erhebliche Herausforderung dar. Vor diesem Hintergrund werden integrierte Versorgungsmodelle, koordinierende Funktionen und die systematische Einbindung pflegender Angehöriger als zentrale Hebel identifiziert.

Aufbauend auf den Ergebnissen des Rapid Reviews beginnt nun die nächste Projektphase. Geplant sind qualitative Erhebungen mit Expert*innen, Fokusgruppen sowie bundesweite Befragungen relevanter Akteursgruppen, die darauf abzielen, Rollenverständnisse und sektorenübergreifende Schnittstellen im Versorgungskontext zu konkretisieren. Ziel ist es, den aktuellen Versorgungsstatus zu analysieren und den Versorgungspfad partizipativ weiterzuentwickeln.

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