Tipps für Demenznetzwerke: Broschüre bündelt Wissen aus "Lokalen Allianzen"

Die neue Broschüre „Gemeinsam stark – in Demenznetzwerken erfolgreich zusammenarbeiten“ zeigt, wie vor Ort Netzwerke aufgebaut werden können, um Menschen mit Demenz und Angehörige zu unterstützen. Sie basiert auf Befunden der vom iso-Institut durchgeführten Evaluation der „Lokalen Allianzen für Menschen mit Demenz“ und liefert Praxistipps vom Aufbau bis zur Verstetigung von Allianzen.

Die Netzwerkstelle "Lokale Allianzen für Menschen mit Demenz" bei der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen (BAGSO) hat auf Basis der wissenschaftlichen Evaluation des Bundesprogramms eine Praxishilfe veröffentlicht. Die Broschüre "Gemeinsam stark – In Demenznetzwerken erfolgreich zusammenarbeiten" richtet sich an Engagierte vor Ort, die Netzwerke aufbauen oder weiterentwickeln möchten. Sie beschreibt, warum Demenznetzwerke Mehrwert schaffen – dank vernetzter Angebote können Menschen mit Demenz länger zu Hause leben, sich weniger einsam fühlen und einfacher Ansprechpersonen finden. Als Teilhabe-Netzwerke machen "Lokale Allianzen" Angebote sichtbar, binden Menschen mit Demenz aktiv ein und entlasten stationäre Versorgungssysteme. Der Leitfaden gibt Hinweise, wie sich aus einer Gründungsidee Schritt für Schritt stabile Strukturen entwickeln – von der ersten Kontaktaufnahme mit Kommunen und Alzheimer Gesellschaften bis zu nachhaltigen Finanzierungsquellen wie § 45e SGB XI.

Die Broschüre betont den Teamgedanken: Ein Netzwerk sollte mit einem vielfältigen Kern aus rund sieben Partner*innen starten, etwa bestehend aus Vertreter*innen der Altenhilfeplanung, Pflegestützpunkten, der örtlichen Alzheimer Gesellschaft, Pflegeeinrichtungen, Mehrgenerationenhäusern und Ehrenamtlichen. Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen sollten dabei von Anfang an in den Prozess eingebunden werden. Eine Kompetenzmatrix hilft, vorhandene Ressourcen und Ziele zu erfassen und Aufgaben zu verteilen.

Außerdem erläutert die Broschüre die Unterschiede zwischen bilateraler und multilateraler Kooperation: Bilaterale Zusammenarbeit basiert auf Zweierbeziehungen zwischen Netzwerkkoordinationen und weiteren Akteuren. Sie belastet die koordinierende Person stark, während multilaterale Netzwerke mit klaren Strukturen, geteilten Verantwortlichkeiten und regelmäßigen Treffen arbeiten. Letztere erleichtern es, Angebote zu wiederholen, Lücken gemeinsam zu schließen und die Netzwerkarbeit langfristig zu sichern. Checklisten und Praxisimpulse zeigen, wie Netzwerke Aufgaben verteilen, eine Steuerungsgruppe einrichten und die Kooperation mit der Kommune pflegen.

Die Broschüre basiert auf den Ergebnissen der Evaluation des vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) finanzierten Bundesprogramms, die das iso-Institut im Februar 2026 veröffentlicht hat. Im aktuellen Förderzeitraum (2020 bis 2026) sind in fünf Wellen rund 115 neue „Lokale Allianzen für Menschen mit Demenz“ entstanden. In die Evaluation flossen Erfahrungen von Lokalen Allianzen aus mehreren Förderwellen ein. Aus den Ergebnissen leiten die Autor*innen Empfehlungen ab, unter anderem:

  • Geschaffene Teilhabe- und Unterstützungsangebote verstetigen: Angebote wie Sing- und Tanzgruppen, Wanderangebote, Museumsbesuche, generationenübergreifende Begegnungsformate sowie Nachbarschaftshilfen, Selbsthilfegruppen und ehrenamtliche Besuchsdienste sollten strukturell abgesichert werden.
  • Multilaterale Vernetzungsstrukturen ausbauen: Um nachhaltige Kooperation zu gewährleisten, muss die Zusammenarbeit verbindlicher gestaltet werden; bilaterale Beziehungen erwiesen sich häufig als weniger stabil.
  • Koordination stärken: Die Evaluation zeigt, dass die Koordinationsrolle zentral für den Erfolg ist. Der Arbeitsaufwand übersteigt oft die vorgesehenen Stellenanteile; eine kontinuierliche fachliche Begleitung und ausreichende Ressourcen sind erforderlich.
  • Kommunale Einbindung erhöhen: Lokale Allianzen sind nachhaltiger, wenn Kommunen aktiv beteiligt sind und die Netzwerke (mit-)finanzieren.

Methodisch stützte sich die Evaluation auf umfangreiche Online-Befragungen der Projektkoordinierenden und Partner*innen sowie auf acht vertiefende Fallstudien und eine bundesweite Recherche zur Verbreitung von Demenznetzwerken. Sie untersuchte Zielsystem, Steuerung, Akteurslandschaft, Interaktion, Nutzen und Nachhaltigkeit der Netzwerke. Das Ergebnis: Lokale Allianzen tragen wesentlich dazu bei, Menschen mit Demenz ein selbstbestimmteres Leben in ihrem sozialen Umfeld zu ermöglichen – vorausgesetzt, ihre strukturellen Rahmenbedingungen werden nachhaltig gestärkt.

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