Digitales Training stärkt den Umgang mit Demenz im Polizeialltag

Ein neues, digitales Training bereitet Polizeikräfte praxisnah auf den Umgang mit Menschen mit Demenz vor. Es vermittelt menschenrechtsorientierte Handlungskompetenzen und fördert deeskalierende Kommunikation. Das Training wurde von der HSPV NRW in Zusammenarbeit mit der DAlzG entwickelt und trägt zur Sensibilisierung des sozialen Umfelds (Maßnahme 1.5.3) bei.

Polizist*innen begegnen in ihrem Einsatzalltag und im Rahmen von Ermittlungen immer häufiger Menschen mit Demenz. Gleichzeitig zählt diese Personengruppe zu den besonders vulnerablen Menschen, deren Rechte und spezifische Bedürfnisse im Kontakt mit staatlichen Institutionen besondere Aufmerksamkeit erfordern.

Um Polizeikräfte besser auf diese Situationen vorzubereiten, hat die Hochschule für Polizei und öffentliche Verwaltung Nordrhein-Westfalen (HSPV NRW) ein digitales Training für die Aus- und Fortbildung entwickelt. Das Training analysiert bundesweit erstmals die praktischen Konsequenzen, die sich aus der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) für die alltägliche Arbeit der Polizei ergeben. Das zweijährige, vom Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales NRW geförderte Forschungsvorhaben wurde von Dr. Emanuel John und Prof. Dr. Tobias Trappe (beide HSPV NRW) geleitet. Kooperationspartner*innen waren die Polizei Hamburg, die Deutsche Alzheimer Gesellschaft e. V. Selbsthilfe Demenz (DAlzG) sowie das Deutsche Institut für Menschenrechte (DIMR). Die DAlzG brachte insbesondere ihre Expertise zur Kommunikation mit Menschen mit Demenz ein – basierend auf Erfahrungen aus dem Kompaktkurs Demenz und dem Webtraining der Initiative Demenz Partner.

Praxisnahe Inhalte, flexible Nutzung, menschenrechtsorientierte Didaktik

Das Trainingsmodul zeigt konkret, wie Polizist*innen Menschen mit Demenz in komplexen oder belastenden Situationen unterstützen können. Anhand von drei unterschiedlichen Praxisbeispielen – "Hinlauftendenz" (hilflose Person), "Selbst- und Fremdgefährdung" sowie "Gewalt in der Pflege" – wird ebenso intensiv wie differenziert vermittelt, wie eine respektvolle, deeskalierende Kommunikation gelingt und wie der Wille und die Interessen der betroffenen Person in der polizeilichen Arbeit berücksichtigt werden können. Das Training bietet unter anderem Hilfestellungen, wie Polizeikräfte unter Zeitdruck oder in unübersichtlichen Lagen handeln sollten, um die Menschenrechte zu wahren.

Auch didaktisch geht die Lernanwendung neue Wege: Sie orientiert sich an der UN-Erklärung für Menschenrechtsbildung und -training und stellt die Perspektiven der Polizist*innen in den Mittelpunkt. Interaktive Reflexionsräume, alltagsnahe Entscheidungsszenarien und ein nutzer*innenzentriertes Design unterstützen eine praxisnahe, menschenrechtsorientierte Aus- und Fortbildung. Das Training bietet einen umfassenden Blick auf Möglichkeiten, wie die Polizei elementare Rechte von Menschen mit Demenz achten, schützen und gewährleisten kann. Dazu werden O-Töne aus unterschiedlichen Perspektiven, nicht nur von Polizist*innen, sondern auch von Betroffenen, Angehörigen, Expert*innen des Menschenrechtsschutzes oder der sozialen Arbeit, einbezogen. Das Angebot ist modular aufgebaut, kostenfrei und auf allen Endgeräten – auch mobil – flexibel, orts- und zeitunabhängig zu nutzen.

Beitrag zur Umsetzung der Nationalen Demenzstrategie

Mit der Lernanwendung wird die Maßnahme 1.5.3 "Sensibilisierung und Schulung von Multiplikatoren aus dem sozialen Umfeld" der Nationalen Demenzstrategie unmittelbar gestärkt. Durch die Ausweitung der Schulungsangebote und die Bereitstellung praxisnaher, kostenfreier Materialien soll das Umfeld von Menschen mit Demenz weiter gestärkt werden. Schulungen wie dieses digitale Polizeitraining tragen dazu bei, dass Menschen mit Demenz auch bei Einschränkungen ein möglichst selbstbestimmtes und sicheres Leben in ihrer Wohnumgebung führen können.

Das neue Trainingsmodul ergänzt bestehende Qualifizierungsangebote wie die Demenz Partner-Schulungen für verschiedene Berufsgruppen, darunter Apotheken und Rettungskräfte. Gemeinsam stärken diese Projekte einen kompetenten, respektvollen und menschenrechtsorientierten Umgang mit Demenz in unterschiedlichen beruflichen Kontexten.

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