Erste bundesweite Befragung zu Einstellungen zu Menschen mit Demenz

Der Deutsche Alterssurvey erhebt erstmals auch Daten zu Einstellungen zu Menschen mit Demenz in der Bevölkerung. Daraus geht unter anderem hervor, dass viele Menschen nicht mit Demenz vertraut sind, aber nur wenige Angst vor Menschen mit Demenz empfinden. Die Ausweitung der Sozialforschung zur Einstellung zu Menschen mit Demenz ist Teil der Maßnahme 4.2.6 der Nationalen Demenzstrategie.

Damit soziale Integration und gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit Demenz gelingen kann, ist es wichtig, auch verbreitete Einstellungen zu Menschen mit Demenz in der Gesellschaft zu erforschen. Hierzu leistet die Sozialforschung einen wertvollen Beitrag. Im Bereich der Erforschung des Alters ist das Deutsche Zentrum für Altersfragen (DZA) eine der zentralen Institutionen in Deutschland. Das Ressortforschungsinstitut wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) gefördert. Das DZA befragt über den Deutschen Alterssurvey (DEAS) regelmäßig bundesweit Menschen in der zweiten Lebenshälfte zu diversen Themen.

Was ist der Deutsche Alterssurvey?

Der DEAS ist eine bundesweit repräsentative Quer- und Längsschnittbefragung von jeweils mehreren tausend Personen ab 40 Jahren und wird vom BMFSFJ gefördert. Die hier erhobenen Informationen und Daten zu Personen im mittleren (ab ca. 40 Jahren) und höheren (ab dem Übergang in den Ruhestand) Alter können sowohl für die sozial- und verhaltenswissenschaftliche Forschung als auch für die Sozialberichterstattung genutzt werden. Die teilnehmenden Personen werden jeweils umfassend zu ihrer Lebenssituation und verschiedenen Lebensbereichen befragt, unter anderem zu:

  • ihrem beruflichen Status oder ihrem Leben im Ruhestand
  • ihrer wirtschaftlichen Lage und Wohnsituation
  • familiären und sonstigen sozialen Kontakten
  • Gesundheit
  • Wohlbefinden
  • Lebenszielen

Die DEAS-Daten bilden damit eine wichtige Informationsgrundlage für politische Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger, die interessierte Öffentlichkeit und für die Forschung.

Wie wird das Thema Demenz im DEAS eingebunden?

Mit der Maßnahme 4.2.6 hat das DZA vereinbart bis Ende 2024 die Einstellungen zu Menschen mit Demenz in der älteren Bevölkerung zu erforschen. Mit der Erweiterung des schriftlichen Fragebogens für die Erhebung 2020/2021 wurde hier der Grundstein gelegt. Im Rahmen der DEAS-Befragung zwischen November 2020 und März 2021 gaben die über 4.000 Teilnehmenden im Alter zwischen 46 und 90 Jahren den Grad ihrer Zustimmung zu insgesamt acht Aussagen zu Menschen mit Demenz an. Die Teilnehmenden beschrieben unter anderem ihr persönliches Befinden gegenüber Menschen mit Demenz und gaben ihre Vertrautheit mit dem Thema Demenz an.

Welche zentralen Ergebnisse in Bezug auf die Einstellungen zu Menschen mit Demenz liefert der DEAS?

Die erhobenen Daten werden der Öffentlichkeit unter anderem im Zuge der regelmäßig erscheinenden DZA-Reihe DZA Aktuell nähergebracht. In der neusten Veröffentlichung der Reihe "Einstellungen zu Menschen mit Demenz in Deutschland" wollten die Forschenden anhand der Daten unter anderem herausfinden, ob bestimmte Gruppen eventuell weniger vertraut mit Demenz sind, sodass beispielsweise gezielte Sensibilisierungskampagnen auf diese Zielgruppen ausgerichtet werden könnten. Des Weiteren nahmen sie an, dass Potentiale in Bezug auf die Bereitschaft zum Engagement für Menschen mit Demenz sichtbar werden könnten, die gestärkt und unterstützt werden könnten.

Es wird deutlich, dass viele Menschen nicht mit dem Thema Demenz vertraut sind (45,5 Prozent). Nur etwa ein Drittel der Befragten gab an, mit Demenz vertraut zu sein. Allerdings gaben 82,5 Prozent an, keine Angst vor Menschen mit Demenz zu haben. Zwischen Männern und Frauen sowie zwischen den Altersgruppen gibt es hierbei keine statistisch bedeutsamen Einstellungsunterschiede.

Der Bildungsstand hingehen hat einen statistisch bedeutsamen Einfluss auf die Vertrautheit mit Demenz. Es zeigt sich eine höhere Vertrautheit bei Menschen mit höherer Bildung. Insgesamt 38,3 Prozent der Befragten mit einem hohen Bildungsgrad gaben an, mit Demenz vertraut zu sein, wohingegen gut 30 Prozent der Personen mit niedrigeren Bildungsgraden dies angaben.

Das Haushaltseinkommen beeinflusst die wahrgenommenen Verbesserungsmöglichkeiten für Menschen mit Demenz, nicht aber die Bereitschaft zu Übernahme von Betreuung und Pflege. Umso höher das Haushaltseinkommen pro Person ist, umso stärker werden die Unterstützungsmöglichkeiten für Menschen mit Demenz eingeschätzt (78,3 Prozent in der Gruppe der hohen Einkommen gegenüber 71,5 Prozent in der Gruppe mit mittlerem Einkommen und 67,5 Prozent in der Gruppe der niedrigen Einkommen).

Deutlich wurde außerdem, dass die Bereitschaft zur Betreuung von Menschen mit Demenz stark mit der Vertrautheit mit Demenz zusammenhängt. Mehr als die Hälfte der Befragten, die mit Demenz vertraut sind, sind auch bereit, sich um Menschen mit Demenz zu kümmern. Bei Befragten, die mit Demenz nicht vertraut sind, ist dies nur zu gut einem Drittel der Fall.

Wie geht es weiter?

Mit den aktuellen Daten sind Querschnittsanalysen möglich, durch weitere Erhebungen in den kommenden Jahren werden auch Längsschnittbetrachtungen möglich sein und aufzeigen, ob sich die Einstellungen zu Menschen mit Demenz in der Gesellschaft wandeln. Die nächste Befragung im Rahmen des DEAS wird 2022/2023 stattfinden und neben den hier aufgeführten Fragen zu Einstellungen zu Menschen mit Demenz auch die Frage enthalten, ob die befragten Personen auch persönlichen Kontakt zu einem Menschen mit Demenz haben.

Das DZA Aktuell - Einstellungen zu Menschen mit Demenz in Deutschland steht frei zum Download zur Verfügung und wird mit entsprechender Öffentlichkeitsarbeit des DZA begleitet. Ein weiteres DZA Aktuell zum Thema "Pflege von Menschen mit Demenz" wird im laufenden Jahr erscheinen.

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