"Nachgefragt" – Katholische Kirche Deutschland

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Dr. Maria Kotulek, Fachreferentin für Demenz der katholischen Kirche im Erzbistum München und Freising

Die Umsetzung der Maßnahmen der Nationalen Demenzstrategie, die eigenverantwortlich von den Akteuren umgesetzt werden, ist für die Öffentlichkeit nicht immer leicht nachzuvollziehen. Daher haben wir bei den Akteuren nachgefragt. Heute berichtet Dr. Maria Kotulek, Fachreferentin für Demenz der katholischen Kirche im Erzbistum München und Freising von der Umsetzung.

Die katholische Kirche in Deutschland ist im Bereich der seelsorglichen Begleitung (z. B. an Lebenswenden) und der sozialen Dienste und tätigen Hilfe (z. B. die Angebote der Caritas) aktiv. Auf Grundlage des christlichen Glaubens will sie unter anderem den Einzelnen in seinen individuellen Lebenssituationen unterstützen.

Im folgenden Interview erläutert Theologin und Religionspädagogin Dr. Maria Kotulek, die im Erzbistum München und Freising als Fachreferentin für Demenz tätig ist, die Arbeit der katholischen Kirche und gibt Einblicke in die Umsetzung verschiedener Maßnahmen der Nationalen Demenzstrategie (NDS). Die katholische Kirche ist an der Umsetzung von acht Maßnahmen der NDS beteiligt.

Frau Dr. Kotulek, welche Aufgaben hat Ihre Organisation?

Unsere erste Aufgabe ist die Seelsorge. Dabei begleiten wir Menschen (einzeln und auch in Gruppen) indem wir ihnen hörend begegnen, ein Stück Weg mit ihnen gehen, gemeinsam nach Ressourcen suchen, die ihnen Kraft und Zuversicht schenken und das Leben (wenn gewünscht) gemeinsam auf der Folie des christlichen Glaubens deuten. Als Träger von Beratungsstellen, ambulanten Pflegediensten, Pflegeheimen und Krankenhäusern liegt unser Hauptengagement in der Unterstützung und Versorgung von Menschen mit Hilfs- oder Pflegebedarf. Mit diversen Kindergärten, Schulen und Erwachsenenbildungseinrichtungen sind wir zudem im Bildungsbereich sehr aktiv. Schließlich sehen wir für uns auch eine politische Aufgabe. Wir beteiligen uns an ethischen Diskursen und erheben unsere Stimme für die Menschen, die das selbst nicht (mehr) tun können.

In welchem Bereich Ihrer Organisation spielen Menschen mit Demenz eine Rolle?

Menschen mit Demenz und das sie umgebende System sind letztlich eine Querschnittsaufgabe, die alle Bereiche unseres Handelns berührt. Rekurrierend auf das eben Gesagte sind Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen eine wichtige Zielgruppe von Seelsorge, sozialer Unterstützung, Bildung und politischem Engagement.

Was tun Sie in diesem Bereich für Menschen mit Demenz?

Wir begleiten Menschen mit Demenz, ihre An- und Zugehörigen und Pflegende spirituell und seelsorglich, mittels Gesprächen, Gruppenangeboten (z. B. spirituelle Biografiearbeit) und Riten und Ritualen (z. B. spezielle Gottesdienste). Wir sind Träger von Pflege- und Betreuungseinrichtungen und bieten Vorträge, Kurse, Workshops und Fortbildungen für Menschen mit Demenz, An- und Zugehörige, Pflegende und Interessierte an. Schließlich bringen wir uns in Arbeitsgruppen verschiedener Ministerien ein und arbeiten an der öffentlichen Bewusstseinsbildung auch zum Thema Demenz mit. So haben wir z. B. in München mit einer Künstlerin eine Leih-Ausstellung initiiert, die auf die Situation der Demenzangehörigen aufmerksam macht und dadurch die Sensibilität für die Lage dieser Personengruppe in der Gesellschaft erhöhen will.

Sie haben sich an acht Maßnahmen der Nationalen Demenzstrategie beteiligt. Können Sie am Beispiel einer Maßnahme beschreiben, welchen Weg diese Maßnahme bei der Umsetzung durch Ihre Organisation nimmt? Wer ist an der Umsetzung der Maßnahme in Ihrer Organisation beteiligt?

Die Maßnahmen wurden auf Ebene der Deutschen Bischofskonferenz vereinbart. Auf Veranlassung des zuständigen Sekretariats gründete sich eine AG Demenz mit Vertreterinnen und Vertretern verschiedener Bistümer, die mit der Thematik näher befasst sind. In der AG werden Vorschläge und Handreichungen für Angebote erarbeitet, mit denen die Maßnahmen aus der Demenzstrategie konkret in den Pfarrgemeinden umgesetzt werden können. Die Verteilung dieser Vorlagen verläuft über das Sekretariat der Bischofskonferenz, an die Zuständigen für das Themenfeld in den 27 (Erz-)Diözesen und von diesen dann an die Zuständigen in den Dekanaten und Pfarrgemeinden.

Was z. B. die Maßnahme 1.6.3 (Fortbildung des Seelsorgepersonals) betrifft: Die deutschen Bistümer bieten seit einigen Jahren in unterschiedlichem Maß Fortbildungen für ihr Seelsorgepersonal an. Ich selbst war schon mit Workshops zu den Themen Spiritual Care und Seelsorge (Pastoral Care) für Menschen mit Demenz und ihre An- und Zugehörigen in diversen deutschen und deutschsprachigen (z. B. Österreich, Südtirol) Bistümern. Im Erzbistum München und Freising, indem ich arbeite, habe ich die Seelsorgenden im Seniorenbereich (z. B. Altenheimseelsorge) geschult und des weiteren Seelsorgerinnen und Seelsorger in Pfarrgemeinden und anderen Bereichen. Diese Veranstaltungen werden in Präsenz und/oder Online durchgeführt und dauern von wenigen Stunden (Basiswissen Demenz) bis zu mehreren Tagen. Ein Lernraum "Demenz für Anfänger" auf unserer organisationsinternen Lernplattform komplettiert das Angebot für Interessierte, die sich selbst zum Thema fortbilden möchten. Auf diese Weise wird, Schritt für Schritt, das komplette Seelsorgepersonal grundlegend beziehungsweise intensiv (je nach Einsatzort) für die Begleitung der Zielgruppen fort- und weitergebildet.

Wann können Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen profitieren?

Die Menschen profitieren, sobald die Mitarbeitenden geschult sind, da diese dann adäquater mit den Zielgruppen umgehen können und je nach Einsatzbereich zielgruppenspezifische Angebote setzen werden. Unser Ziel ist es dabei Menschen mit Demenz und ihren An- und Zugehörigen in unseren Pfarrgemeinden einen Platz zu geben, an dem sie zum einen (unabhängig von ihrer Veränderung) einfach dazugehören (z. B. so lange als möglich mitsingen im Kirchenchor, teilnehmen an Seniorentreffs etc.) und zum anderen auch zielgruppenspezifische Angebote (z. B. demenzsensible Gottesdienste, ressourcenorientierter Kurs für Angehörige etc.) wahrnehmen können. Letztlich ist das Thema der ökumenischen "Woche für das Leben" 2022 "Mittendrin. Leben mit Demenz" unsere Vision: Menschen – mit und ohne Demenz – als eine Gemeinschaft!

An welche Person können sich Mitglieder Ihrer Organisation wenden, wenn sie sich für die Umsetzung der Maßnahme interessieren?

Auf Bundesebene wenden sich Interessierte an Herrn Konermann im Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz (DBK; Bereich Pastoral) und im Erzbistum München und Freising direkt an mich, die Fachstelle Demenz (Abt. Seniorenpastoral).

Simon Konermann
Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz
Bereich Pastoral
Kaiserstraße 161, 53113 Bonn
Telefon: +49 228 103-227
E-Mail: s.konermanndbkde

Dr. Maria Kotulek
Fachreferentin für Demenz
Erzdiözese München und Freising (KdöR)
Ressort Seelsorge und kirchliches Leben
Abt. Seniorenpastoral
Schrammerstr. 3
80333 München
Tel.: 089 2137 74306
E-Mail: MKotulekeomucde

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