PraWiDem vernetzt Wissenschaft und Praxis durch "Living Lab"-Ansatz

Um den Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Pflegepraxis zu erleichtern wurde in der Nationalen Demenzstrategie der Ausbau eines nationalen Netzwerks zur Demenzversorgungsforschung beschlossen. In diesem Rahmen widmen sich Forscherinnen und Forscher im vom Bundesministerium für Gesundheit geförderten Projekt PraWiDem dem interdisziplinären Living Lab-Ansatz, der Pflegewissenschaft und Pflegepraxis zusammenbringt.

Die Pflege von Menschen mit Demenz stellt Pflegeeinrichtungen vor besondere Herausforderungen. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse können dabei helfen, die Demenzversorgung zu verbessern, gelangen meist aber erst mit zeitlicher Verzögerung in die Praxis. Studien haben gezeigt, dass es bis zu 17 Jahre dauern kann, ehe neue Erkenntnisse für die pflegerische Versorgung in die tägliche Praxis übernommen werden. In der Nationalen Demenzstrategie wurde daher in Maßnahme 4.1.2 der Ausbau eines nationalen Netzwerks zur Demenzversorgungsforschung verabredet, um die Vernetzung von Wissenschaft und Pflegepraxis zu fördern. Um die Herausforderungen in der Pflegepraxis gemeinsam anzugehen, haben Forscherinnen und Forscher der Universität Maastricht den Living Lab-Ansatz für die Langzeitpflege älterer Menschen entwickelt.

Wie werden der Living Lab-Ansatz und der Themenbereich Demenz zusammengebracht?

Der in den Niederlanden erprobte Living Lab-Ansatz soll im Projekt PraWiDem an die Bedürfnisse von Menschen mit Demenz und die hiesigen Rahmenbedingungen angepasst werden. Die Vernetzung von Wissenschaft und Praxis erfolgt hier über Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Praxisvertreterinnen und Praxisvertreter, die als Verbindungspersonen, sogenannte "Linking Pins", zusammenarbeiten. Dabei stehen die konkreten Bedarfe in den Pflegeeinrichtungen im Fokus. Um diese zu ermitteln, beinhaltet das Projekt PraWiDem eine Befragung der beteiligten Einrichtungen, in der unterschiedliche Perspektiven hinsichtlich Erfahrungen und Erfordernissen der Vernetzung von Wissenschaft und Praxis im Bereich Demenz erkannt werden sollen. Ein Team aus Praxis, Wissenschaft und Patientenvertretungen begleitet das Projekt. Eine enge Kooperation besteht zu den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Universität Maastricht, die den Living Lab-Ansatz entwickelt haben.

Wie ist das Projekt PraWiDem aufgebaut?

Das vom Bundesministerium für Gesundheit geförderte Projekt PraWiDem ist ein Verbundprojekt der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, der Universität zu Köln und der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Gemeinsam mit der Deutschen Alzheimer Gesellschaft (DAlzG) wird eine Arbeitsgruppe "Demenz und Forschung" initiiert, in der sich Menschen mit Demenz aktiv an Forschungsvorhaben beteiligen werden. Geplant sind drei Projektphasen.
Zuerst soll das niederländische Konzept des "Living Lab"-Ansatzes an die Thematik Demenz und die Bedingungen des deutschen Pflegesystems angepasst werden. Dafür werden sowohl eine umfangreiche Literaturrecherche als auch eine Befragungsstudie durchgeführt.
In der zweiten Projektphase wird das entwickelte Konzept modellhaft erprobt. Dabei kooperieren die Universitäten mit stationären und ambulanten Pflegeeinrichtungen. In den Pflegeeinrichtungen arbeiten jeweils eine Verbindungsperson der Universität und des Praxispartners regelmäßig und unter Begleitung eines Teams aus Expertinnen und Experten zusammen.
Abschließend folgt eine dritte Projektphase, in der der Modellversuch evaluiert und Empfehlungen für die Demenzversorgung und -forschung abgeleitet werden.

Wie geht es weiter?

Die erste Projektphase konnte bereits erfolgreich gestartet werden. Das Studienzentrum Halle (Saale) führt dafür die Befragungsstudie in Zusammenarbeit mit der DAlzG durch, die eine Partizipation von Menschen mit Demenz sicherstellt. Das Studienzentrum Köln untersucht den Stand der internationalen Literatur hinsichtlich erfolgreichen Wissenstransfers. Ein weiterer Schwerpunkt ist die sorgfältige Vorbereitung der Zusammenarbeit mit den Praxiseinrichtungen für die zweite Projektphase. Dazu gehört der Austausch zu Erwartungen an und Erfordernissen für die  Zusammenarbeit.
Um die interessiere Öffentlichkeit kontinuierlich zu informieren, gibt es außerdem eine Website, die über die Fortschritte des Projektes berichtet.

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