Soziale Kontakte stärken Menschen mit Demenz

Eine Frau wiegt Mehl ab, eine weitere unterstützt sie dabei.
© Christoph Soeder
Logo des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Forscherinnen des Deutschen Zentrums für neurodegenerative Krankheiten (DZNE) konnten in einer neuen Studie den positiven Effekt psychosozialer Maßnahmen für Menschen mit Demenz nachweisen. Können Menschen mit Demenz in ihrer gewohnten Umgebung bleiben und sind sie zudem sozial gut eingebunden, kann dies den Krankheitsverlauf verbessern.

Kulturelle Angebote, soziale Kontakte, alltägliche Routinen oder Wohnraumanpassungen − um herauszufinden, wie sich psychosoziale Maßnahmen auf Menschen mit Demenz auswirken, hat das DZNE Fokusgruppendiskussionen geführt und ausgewertet. Die qualitative Studie "Identifikation relevanter psychosozialer Maßnahmen in der Entstehung, Behandlung und Versorgung von Menschen mit Demenz" im Rahmen der Maßnahme 4.3.11 Forschung zur Lebenswelt von Menschen mit Demenz wurde vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) gefördert.


Bundesseniorenministerin Lisa Paus: "Mit der Diagnose 'Demenz' kommen nicht nur auf die Betroffenen, sondern auch auf Angehörige einschneidende Veränderungen zu. Die Ergebnisse der Studie zeigen deutlich, dass wir bei der Versorgung von Menschen mit Demenz neben medizinischen auch die sozialen Aspekte in den Vordergrund stellen müssen. Als Gesellschaft müssen wir alles dafür tun, dass Demenzkranke so lange wie möglich selbstständig und selbstbestimmt in ihrem gewohnten Zuhause leben können und in soziale Aktivitäten eingebunden sind. Es ist wichtig, dass sich Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen wertgeschätzt und wahrgenommen fühlen."


In den Gruppendiskussionen kamen zum einen Mitarbeitende aus der Pflege, der medizinischen Versorgung und Ehrenamtliche und zum anderen (pflegende) Angehörige zu Wort. Aus den inhaltsanalytisch herausgearbeiteten Ergebnissen leiten die Forscherinnen Handlungsempfehlungen ab, die ein gutes Miteinander mit Menschen mit Demenz fördern und ihre Pflege und Behandlung verbessern. Demnach wirken sich gute und regelmäßige soziale Kontakte, vor allem gemeinsame, Aktivitäten, die den Menschen mit Demenz aktiv am Alltag teilhaben und sich wertgeschätzt und anerkannt fühlen lassen, positiv auf Demenzsymptome aus.


Studienkoordinatorin Dr. Francisca S. Rodriguez: "Ein zusprechendes, anerkennendes und liebevolles soziales Umfeld kann die positiven Auswirkungen psychosozialer Maßnahmen noch zusätzlich verstärken."


Dies könne beispielsweise durch neu initiierte Modellprojekte, regionale und bundesweite Förderung der Aufklärungsarbeit zu Demenz oder durch integrative biografieorientierte Maßnahmen sowie durch Programme zur Förderung gesellschaftlicher Teilhabe wie das BMFSFJ-Bundesprogramm "Lokale Allianzen für Menschen mit Demenz" unterstützt werden.

In der Maßnahme 4.3.11 der Nationalen Demenzstrategie werden bis 2024 drei weitere qualitative Studien durchgeführt, um neue Erkenntnisse zu lebensweltlichen Aspekten von Menschen mit Demenz zu gewinnen.

Zurück