Studie "Intersec-CM" liefert neue Erkenntnisse zum Entlassmanagement

Der Übergang vom Krankenhaus in die häusliche Versorgung stellt Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen vor Herausforderungen. Um das Entlassmanagement den Bedürfnissen dieser Patientengruppe anzupassen, wurde die Studie „Intersec-CM“ durchgeführt, in der Menschen mit Demenz nach einem Krankenhausaufenthalt individuell betreut wurden.

Das Entlassmanagement ist für den Übergang vom Krankenhaus in die anschließende Versorgung gesetzlich verankert und wird allen Patientinnen und Patienten angeboten. Da das Gesundheitssystem in Deutschland in verschiedene Sektoren eingeteilt ist, stellt die  Organisation des Überganges zwischen diesen Sektoren eine Herausforderung für alle Beteiligten dar. Doch gerade Menschen mit Demenz sowie Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung benötigen innerhalb dieser Strukturen eine intensivere Begleitung. Um Versorgungslücken und schnelle Wiederaufnahmen in Krankenhäuser zu verhindern, ist eine gute Kommunikation zwischen allen beteiligten Berufsgruppen und Gesundheitsdienstleistern – vor allem mit Blick auf individuelle Versorgungsbedarfe – besonders wichtig.  

In Maßnahme 4.3.3 der Nationalen Demenzstrategie wurde vereinbart, den Transfer evidenzbasierter Präventions- und Versorgungskonzepte in die Routineversorgung zu unterstützen. Die Maßnahme sieht die Aufnahme von Forschungsvorhaben vor, die die Voraussetzungen und Bedingungen für einen solchen Transfer bestimmen. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf dem Entlassmanagement. Das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) untersucht in Kooperation mit dem Evangelischen Klinikum Bethel in Bielefeld, der Ruhr-Uni Bochum und der Universität Greifswald in der Studie "Intersec-CM", ob der Übergang zwischen Krankenhaus und ambulanter Versorgung mit Hilfe von Intersectoral Care Management verbessert werden kann. Sie wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.

Wie lief die Studie ab?

In der Studie (insgesamt 401 Teilnehmende) wurden ca. 200 Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen oder Demenz während ihres Aufenthalts im Akutkrankenhaus sowie daran anschließend zu Hause begleitet (Interventionsgruppe). Zusätzlich gab es eine Kontrollgruppe, die nach aktuell gültigen Standards des deutschen Gesundheitssystems versorgt wurde. Alle Probandinnen und Probanden lebten zum Studienzeitpunkt im eigenen Zuhause. Zu Beginn erstellte spezifisch qualifiziertes Studienpersonal individuelle Versorgungs- und Behandlungspläne, die auf dem Konzept des Dementia Care Managements beruhen.
Den Patientinnen und Patienten in der Interventionsgruppe wurde bereits im Krankenhaus eine Ansprechperson vorgestellt, die kontinuierlich als Schnittstelle zwischen ihnen, dem Krankenhaus sowie der (ambulanten) Nachbetreuung fungierte. Unmittelbar nach dem Krankenhausaufenthalt folgten Hausbesuche durch die Ansprechperson. In diesen Besuchen wurden die bei der Entlassung vorhandenen Bedarfe überprüft, geklärt und gegebenenfalls neue Bedarfe identifiziert und bearbeitet. So wurde beispielsweise gefragt, ob Hilfsmittel erhalten wurden oder notwendig waren oder die vom Krankenhaus empfohlene Medikation umgesetzt bzw. aktualisiert wurde. Ergebnismessungen erfolgten drei und zwölf Monate nach der Entlassung.

Erste Zwischenergebnisse von "Intersec-CM"

Die vorläufigen Ergebnisse zeigen, dass bei Menschen, die durch die qualifizierten Dementia Care Managerinnen und Manager begleitet wurden, die ermittelte Lebensqualität höher als in der Kontrollgruppe war. Anders als von den Forschenden erwartet, scheint es zumindest nach drei Monaten keinen Unterschied der Gruppen bezüglich erneuter Einweisungen ins Krankenhaus zu geben. Es muss jedoch bedacht werden, dass die während der Studie ausgebrochene Corona-Pandemie die Ergebnisse beeinflusst.

Auch die Implementierbarkeit des Dementia Care Managements in das existierende Entlassmanagement von Krankenhäusern wurde untersucht. Als wichtig hat sich hier unter anderem herausgestellt, die Ansprechperson für die Menschen mit Demenz auch im Krankenhausteam zu integrieren. So kann sie z.B. aus einem Pflegedienst vor Ort oder einem angegliederten ambulanten Spezialteam kommen und zu interprofessionellen Teambesprechungen hinzugezogen werden.

Wie geht es weiter?

Aktuell wird das Projekt mit der finalen Ergebnisanalyse abgeschlossen. Die Studienergebnisse werden im Sommer vorgestellt und diskutiert. Dafür ist am 22. Juni 2022 ein zweistündiger Online-Workshop geplant. Neben den beteiligten Forscherinnen und Forschern sind auch Akteure aus dem Gesundheitswesen, beispielsweise die Deutsche Krankenhausgesellschaft, zur Diskussion eingeladen. Der Workshop ist für alle Interessierten nach einer Anmeldung beim DZNE zugänglich.

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