Demenz vorbeugen – Prävention gemeinsam gestalten

Ein älterer Mann spielt mit einem Kind Fußball in der Wohnung.
©Christoph Soeder/DZA
Infoplakat "Geistig fit bleiben - Demenz vorbeugen!" Mit Tipps wie ausreichend Schlaf, regelmäßige Bewegung an der frischen Luft oder das Nutzen von Hörgeräten und Sehhilfen.
Gemeinsames Infomaterial der BIÖG und der DAlzG

Ob durch Infomaterial, Hausbesuche oder lokale Hilfen: Demenz-Prävention funktioniert auf unterschiedlichen Wegen. Je mehr Risikofaktoren erkannt und verringert werden, desto größer ist die Chance, den Ausbruch einer Demenz hinauszuzögern oder ihre Folgen abzumildern. Fünf Akteure haben sich mit dem Ziel 1.7 vorgenommen, Risiken von Demenzerkrankungen zu reduzieren.

Die wissenschaftliche Grundlage ist eindeutig: Lebensstilfaktoren wie regelmäßige Bewegung, ausgewogene Ernährung, geistige Aktivität oder sozialer Austausch können das Risiko einer Demenzerkrankung senken. Gleichzeitig erhöhen Bluthochdruck, Übergewicht, Alkoholmissbrauch oder Rauchen nachweislich die Wahrscheinlichkeit, zu erkranken. Studien wie die der vielbeachteten Lancet-Kommission haben diese Zusammenhänge mehrfach belegt und damit unterstrichen, dass Demenzprävention eng mit der Förderung von Gesundheitskompetenz verknüpft ist. Denn nur wer gesundheitliche Risiken kennt und einordnen kann, ist in der Lage, präventive Angebote wahrzunehmen und informierte Entscheidungen für den eigenen Lebensstil zu treffen. Repräsentative Studien belegen, dass mehr als 75 % der Bevölkerung Deutschlands über eine geringe Gesundheitskompetenz verfügt. Auch beim Thema Demenz fühlen sich viele Menschen schlecht informiert. Deshalb sind verständliche Aufklärung, niedrigschwelliger Zugang zu Informationen und gezielte Bildungsangebote entscheidend, um die Gesundheitskompetenz zu stärken.

Im Rahmen der Nationalen Demenzstrategie bedeutet das, dass Prävention nicht nur ein abstraktes Ziel bleibt, sondern konkrete Hilfen für Menschen vor Ort schaffen muss. Um dies zu erreichen, haben das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), die Deutsche Alzheimer Gesellschaft (DAlzG), das Bundesministerium für Gesundheit (BMG), die Länder sowie der Spitzenverband der Krankenkassen (GKV-SV) drei Maßnahmen umgesetzt, die ineinandergreifen: Informationsmaterialien sollen Wissen vermitteln (Maßnahme 1.7.1), präventive Hausbesuche sollen gefördert werden (Maßnahme 1.7.2) und kommunale Fördermittel sollen Angebote lokal verfügbar machen (Maßnahme 1.7.3).

Informationsmaterial unterstützt die gesundheitliche Aufklärung

Das BIÖG hat gemeinsam mit der DAlzG umfangreiche Materialien sowohl für Menschen mit Demenz als auch ihre Angehörigen erstellt. Fünf Faltblätter zu den Themen

wurden 2022 entwickelt und vorgestellt, unter anderem auf der Netzwerktagung Nationale Demenzstrategie 2022. Sie stehen seither digital und als Broschüren zum Bestellen zur Verfügung.

Im Frühjahr 2025 hat das BIÖG das Angebot mit "Geistig fit bleiben – mit 10 Maßnahmen Demenz vorbeugen" erweitert. Dieses richtet sich vor allem an Multiplikator*innen wie Seniorentreffs, Pflegestützpunkte oder Bildungsträger. Neben Faltblättern bietet es Präsentationen und Manuals, die die Durchführung von Informationsveranstaltungen erleichtern. Damit wird Prävention noch stärker in die Praxis getragen und kann unmittelbar dort wirken, wo Menschen erreicht werden. Wie Demenzprävention wirksamer gestaltet werden kann, wurde auch intensiv auf der 8. Bundeskonferenz "Gesund und aktiv älter werden" des BIÖG am 22. April 2026 in Köln diskutiert. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie sich Aufklärung, Versorgung und Präventionsstrategien besser miteinander verzahnen lassen.

Beratung zu Hause mit präventiven Hausbesuchen

Ein Großteil der älteren Menschen mit Demenz (und auch ohne) lebt zu Hause und möchte dies auch so lange wie möglich. Nachgewiesen wirkt sich dies bei Hochaltrigen positiv auf ihr Wohlbefinden aus. Auch für die Lebensqualität, Sicherheit, Orientierung und den Autonomieerhalt von Menschen mit Demenz kann ausschlaggebend sein, so lange wie möglich in der eigenen, vertrauten Umgebung zu leben. Systematische Hausbesuche können dabei einen Unterschied machen – sie sind sinnvoll, um diese schwer erreichbare Zielgruppe mit Unterstützungsangeboten zu erreichen und sie vor Depression, Vereinsamung oder Mangelernährung zu bewahren und damit den Krankheitsfortschritt möglichst zu verlangsamen, wie unter anderem eine Studie des Zentrums für Qualität in der Pflege (ZQP) nachweisen konnte. Die aktuelle Bundesregierung verfolgt das gemeinsame Ziel, ältere Menschen im Alltag wirksam zu unterstützen. Mit § 20a SGB V besteht ein stabiler rechtlicher Rahmen, der Krankenkassen ausdrücklich die Möglichkeit eröffnet, gesundheitsbezogene Anteile von Hausbesuchen zu fördern. In verschiedenen Regionen wurden Ansätze erprobt und erfolgreich weiterentwickelt, beispielsweise in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Bayern. Hier werden insbesondere ältere Menschen im häuslichen Umfeld gezielt erreicht und beraten. Eine bundesweite Umsetzung befindet sich noch im Aufbau und soll auch für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen deutlich verbesserte Zugänge zu Unterstützung eröffnen – mit einem Netz an Angeboten, das die Eigeninitiative der Betroffenen wirkungsvoll ergänzt.

Präventionsprogramme dank kommunaler Fördermittel

Über das GKV-Bündnis für Gesundheit stehen Fördermittel für Prävention und Gesundheitsförderung in Höhe von fast 90 Millionen Euro zur Verfügung. Kommunen werden ermutigt, sich zu beteiligen und in Kooperation mit Vereinen, Beratungsstellen oder Nachbarschaftszentren niedrigschwellige Angebote zu schaffen. Auch Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen sollen von diesen Maßnahmen profitieren. Konkret geförderte Praxisbeispiele zeigen die Vielfalt möglicher Initiativen: So wird im Rahmen des Projekts GESTALT – Get 10 ein evidenzbasiertes Bewegungsprogramm in zehn bayerischen Kommunen erprobt, das ältere Menschen gezielt zu mehr körperlicher Aktivität in Alltag und Gemeinschaft motiviert und damit gesundheitsbezogene Ressourcen stärkt. Auch kleinere Kommunen nutzen die Fördermöglichkeiten, um eigene Präventionsstrukturen aufzubauen. So hat die Gemeinde Zell ein Projekt zur Gesundheitsförderung und Prävention für ältere Menschen in schwierigen Lebenslagen initiiert. Im Mittelpunkt steht die Prävention von Erkrankungen, die mit Einsamkeit und sozialer Isolation assoziiert sind, darunter auch Demenz. Auf Basis einer Bedarfserhebung und eines partizipativen Planungsprozesses sollen neue gesundheitsfördernde Strukturen in der Gemeinde entstehen und passgenaue Maßnahmen entwickelt und umgesetzt werden. In anderen Regionen werden Präventionsstrategien gezielt auf verschiedene Zielgruppen – darunter auch ältere Menschen – zugeschnitten, beispielsweise im Landkreis Vorpommern-Greifswald und in Bremen.

Ausblick

Alle drei Maßnahmen sind abgeschlossen. Gleichzeitig ist klar: Es handelt sich um Daueraufgaben. Es gilt, die vorhandenen Materialien noch stärker in lokale Strukturen einzubinden und Multiplikator*innen nachhaltig zu schulen. Kommunale Förderprogramme müssen so gestaltet werden, dass Projekte für die ältere Bevölkerung die Belange von Menschen mit Demenz aktiv einbeziehen. Und schließlich sollte die Debatte über präventive Hausbesuche nicht verstummen: Internationale Beispiele, etwa aus Dänemark oder Finnland zeigen, dass aufsuchende Beratung gerade für ältere Menschen mit komplexen Bedarfen sehr wirksam sein kann. Einen wichtigen neuen Rahmen dafür setzt der im Sommer 2025 beschlossene Zukunftspakt Pflege, in dem Bund und Länder eine umfassende Reform der Pflegeversicherung vorbereiten. Die entsprechenden Arbeitsaufträge der Bund-Länder-Arbeitsgruppe enthalten explizit die Frage, welche Rolle präventive Hausbesuche spielen können und sollen. Damit wird das Thema erstmals auf höchster politischer Ebene systematisch adressiert. Perspektivisch eröffnet der Zukunftspakt Pflege damit die Möglichkeit, präventive Hausbesuche im Rahmen der aktuellen Reformprozesse erneut und fundierter zu diskutieren und gegebenenfalls strukturell zu verankern.

Darüber hinaus ist das Ziel 1.7 –die Reduzierung der Risiken von Demenzerkrankungen –  eng verknüpft mit der Maßnahme 4.2.3 Demenzrelevante Indikatoren in Gesundheitsmonitorings. Die Daten des kontinuierlichen Gesundheitsmonitorings am Robert Koch-Institut (RKI) zeigen, wie sich die Verteilung von potenziell vermeidbaren Demenz-Risikofaktoren in der Bevölkerung entwickelt. Aus diesen Daten lassen sich Präventionsmaßnahmen ableiten. Eine besondere Bedeutung kommt 14 potentiell vermeidbaren Risikofaktoren zu, die in unterschiedlichen Lebensaltern besonders relevant sind. Hierzu zählen soziale und umweltassoziierte Determinanten der Gesundheit (niedrige Bildung, soziale Isolation, Luftverschmutzung), gesundheitsrelevante Verhaltensweisen (Bewegungsmangel, riskanter Alkoholkonsum, Rauchen) und bestimmte Vorerkrankungen (Adipositas, Bluthochdruck, Depression, Diabetes mellitus, erhöhte Cholesterinwerte, Sehstörung, Hörverlust, Schädel-Hirnverletzungen). Sie gelten unter anderem als Risikofaktoren, die Demenzen wahrscheinlicher machen. Für fast alle dieser Faktoren werden bereits jetzt Informationen im Rahmen des kontinuierlichen Gesundheitsmonitorings erhoben.

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